Theologie

T. ist eine Funktion der christlichen Kirche, sie muss den Erfordernissen der Kirche entsprechen. Ein theologisches System muss zum einen die Wahrheit der christlichen Botschaft aussprechen (kerygmatische T.) und zum anderen diese Wahrheit für jede Generation, für jede →Situation neu deuten (apologetische T.) Die T. muss einerseits an der Situation der Existenzdeutung des modernen Menschen, radikal teilnehmen; andererseits muss sie sich auf das Kerygma als auf die Substanz und das Kriterium jedes ihrer Sätze gründen, damit sie sich nicht selbst aufgibt.
Tillichs System ist ein Versuch, mit Hilfe der „Methode der Korrelation“ Botschaft und Situation zu vereinigen, indem die Fragen, die in der Situation enthalten sind, mit den Antworten, die in der Botschaft enthalten sind, in Korrelation gebracht werden.
Ein Mensch kann so lange Theologe sein, als er den Inhalt des theologischen →Zirkels als das anerkennt, was ihn unbedingt →angeht. Ob das der Fall ist, hängt weder von seinem geistigen, moralischen oder emotionalen Zustand, noch von der Intensität und Gewissheit des →Glaubens, sondern allein von seinem unbedingten Betroffensein durch die christliche Botschaft ab, sogar dann, wenn er geneigt ist, sie anzugreifen oder abzulehnen. Der Theologe steht immer im Glauben und im →Zweifel.
Die beiden Kriterien der T. lauten: (1) Der Gegenstand der T. ist das, was uns unbedingt angeht. Nur solche Sätze sind theologisch, die sich mit einem Gegenstand beschäftigen, sofern er uns unbedingt angeht. (2) Das, was uns unbedingt angeht, ist das, was über unser →Sein oder →Nichtsein entscheidet. Nur solche Sätze sind theologisch, die sich mit einem Gegenstand beschäftigen, sofern er über unser Sein oder Nichtsein entscheidet.
Die christliche T. behauptet die T. zu sein, weil der göttliche logos und damit die Wurzel alles menschlichen logos in →Jesus als dem Christus Fleisch geworden ist.
Die Prinzipien, die den rationalen Charakter der systematischen T. bestimmen, sind: semantische, logische und methodische Rationalität (I 9ff.).
In III 13ff. rechtfertigt Tillich die Darstellung seiner T. mit philosophischen, psychologischen, Begriffen, unter Einbeziehung soziologischer und naturwissenschaftlicher Theorien:
„Ein solches Vorgehen scheint mir für eine T. angemessen zu sein, welche versucht, in verständlicher Sprache zu einer breiten Gruppe Gebildeter und geistig offener Theologiestudenten zu sprechen, für die die traditionelle Sprache irrelevant geworden ist. Ich bin mir dabei der Gefahr, daß die Substanz der christlichen Botschaft verlorengehen könnte, wohl bewußt. Aber trotzdem muss dies Wagnis eingegangen werden. […] Da eine Gespaltenheit zwischen einem Glauben, der für die Kultur unannehmbar ist, und einer Kultur, die für den Glauben unannehmbar ist, für mich nicht möglich war, musste ich den Versuch machen, die Symbole des Glaubens durch Ausdrucksformen unserer Kultur zu interpretieren.“ Deshalb habe er es gewagt, „vom theologischen Gesichtspunkt aus eine Philosophie des Lebens zu entwickeln.“ DD

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