Selbst

Das S. ist ein Urphänomen, das logisch allen Fragen nach der →Existenz vorausgeht. S. sein, heißt, von allen anderen getrennt sein, alles andere sich gegenüber haben. Das S. ist jedoch gewahr, dass es zu dem gehört, auf das es blickt. Das S. ist „darin“. Da der Mensch ein Ich-S. hat, transzendiert er jede mögliche Umgebung. Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Ich-S. und Welt ist die ontologische Grundstruktur und schließt alles andere ein.
Die S.-Welt-Polarität ist die Basis der Subjekt-Objekt-Struktur der →Vernunft. Das S. ist eine Struktur der S.bezogenheit, die subjektive Vernunft genannt wird. Die Vernunft macht das S. zum S., zu einer selbstbezogenen Gestalt. In der Erkenntnissphäre aber wird das S. als Objekt betrachtet.
S.bewahrung und S.transzendenz werden vom Menschen unmittelbar in ihm selbst erfahren. Nur wenn der Mensch sich selbst als Mensch konserviert, hat er die Möglichkeit, jede gegebene →Situation zu überschreiten. Er kann sich unter dieser Voraussetzung grenzenlos in allen Richtungen transzendieren (I 213).
Gott kann nicht ein S. genannt werden, denn der Begriff des S. enthält Trennung von und Gegensatz zu allem, was nicht S. ist. S. und Welt haben ihre Wurzel im göttlichen Leben, können aber nicht →Symbole für das göttliche Leben werden (I 281f.).
Im Unglauben wendet der Mensch sich in seiner existentiellen S.verwirklichung seiner Welt und sich selbst zu und verliert seine essentielle Einheit mit dem Grunde von S. und Welt (II 55). Konkupiszenz ist die unbegrenzte Sehnsucht, das Ganze der Wirklichkeit dem eigenen S. einzuverleiben (II 60). Je mehr das begrenzte S. durch Unglaube, Konkupiszenz etc. getrieben wird, sich selbst zum Zentrum aller Dinge zu machen, desto mehr verliert es sich selbst. Es wird unfähig, sich selbst von der Welt abzugrenzen. Es besteht also eine gegenseitige Abhängigkeit von Selbst- und Weltverlust (II 71f.).
Verzweiflung ist der Konflikt zwischen dem, was der Mensch potentiell ist, und dem, was er aktuell ist. Diesem Konflikt kann man nicht entrinnen, weil man dem S. nicht entrinnen kann (II 84).
Leben ist Aktualisierung potentiellen Seins in dem Dreischritt: S.identität, S.veränderung, Rückkehr zu sich selbst (III 42).
Die Integration des persönlichen S. ist nur möglich durch seine Erhebung in das „Göttliche S.“  CH

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