Kultur

Die biblische Botschaft konnte nur verstanden und aufgenommen werden, weil sie in der Religion und K. der Menschheit vorbereitet gewesen war (I 45). Somit ist das Material der Religions- und K.geschichte eine Quelle der systematischen →Theologie. Der Theologe (bzw. die Theologin, Anm. d. Verf.) muss die gesamte menschliche K. an der Offenbarungsgeschichte teilhaben lassen. Tillich versucht eine konstruktive K.-Theologie, welche die Prinzipien des Suchens nach der Wahrheit der letztgültigen →Offenbarung auf die konkreten Probleme unserer kulturellen Existenz anwendet.
Die Grundfunktionen der K. sind Sprache und Technik. Sprechen und Gebrauch von Werkzeugen gehören zusammen. Die Form ist die →Essenz der kulturellen Schöpfung, der Stil ein spezieller, vom Gehalt bestimmter Formcharakter (III 76).
Die Zweideutigkeiten des kulturellen Aktes sind Sinn-Setzung und Sinn-Zerstörung (III 87).
K. schafft ein Sinn-Universum. Das Sinn-Universum ist die Erfüllung aller Potentialitäten des Seins-Universums. Der Mensch ist der Ort und das Mittel, durch das ein Sinn-Universum verwirklicht wird. Die meisten Menschen sind von den höheren Formen der K. und Bildung ausgeschlossen (III 104–106).
Der göttliche →Geist ist die „Tiefe“ aller kulturellen Schöpfungen. Die essentielle Beziehung zwischen Religion und K. – K. als die Form der Religion und Religion als die Substanz der K. –, ist in der Geistgemeinschaft verwirklicht. Die Einheit von Religion und K. in der Geistgemeinschaft ist das Kriterium der religiösen und kulturellen Gruppen (III 185f.).
Religion kann sich nicht ohne K. ausdrücken. K. verliert ohne ihre religiöse Substanz ihre Tiefe und Unerschöpflichkeit. Den Zustand einer K. unter der Einwirkung des göttlichen Geistes charakterisiert das Wort „Theonomie“. Das kulturelle Leben in der Theonomie ist auf das Unbedingte in →Sein und Sinn ausgerichtet.
Charakteristika einer theonomen K.: (1) Sie drückt in all ihren Schöpfungen die Erfahrung des →Heiligen aus; (2) Sie bejaht die autonomen Formen des schöpferischen Prozesses; (3) Sie kämpft ständig gegen eine unabhängige Heteronomie und gegen eine unabhängige Autonomie (III 282–288). CH

Advertisements