Katholizismus

(a) K. im eigentlichen Sinne des Wortes. Anstelle des Wortes „katholisch“ gebraucht Tillich das Wort „universal“, weil seit der Spaltung durch die Reformation das Wort „katholisch“ für die römische oder sakramentale →Kirche wie die griechisch-orthodoxe oder die anglikanische Kirche gebraucht wird (III 201)
Universalität ist ein grundlegendes Prädikat der Kirche (III 199). „Die Kirchen sind universal aufgrund der Universalität des Fundaments – des Neuen Seins, das in ihnen wirksam ist“ (ebd.). Eine Kirche, die keine Universalität („Katholizität“) beansprucht, hat aufgehört, eine Kirche zu sein.
Jede Kirche ist universal sowohl intensiv wie extensiv, wobei intensive Universalität für die Fähigkeit und den Wunsch steht, als Kirche an allem Geschaffenen in allen →Dimensionen des →Lebens teilzunehmen (III 199f.), extensive Universalität dagegen die Gültigkeit ihres Fundaments für alle Nationen, soziale Gruppen […] und Kulturen bezeichnet (III 200f.).
Unter den Bedingungen der →Existenz ist die Universalität niemals voll verwirklicht, sondern sämtlichen Zweideutigkeiten unterworfen, und daher nur in der Partikularität der Kirchen gegenwärtig – dies ist das Paradox der Universalität (III 201).
(b) K. in der Bedeutung „römisch-katholische Kirche“. Die grundsätzlich kritische bis polemische Beurteilung der röm.-kath. Kirche als Institution durch Tillich lässt sich nur von seinem →protestantischen Prinzip her verstehen: Der besondere Charakter der röm.-kath. Kirche manifestiert sich in ihrem Absolutheitsanspruch (III 198). „Hier ist der Punkt, wo die Kluft zwischen Protestantismus und K. unüberbrückbar scheint. Die röm.-kath. Kirche akzeptiert (wenigstens im Prinzip) Kritik an jedem ihrer Glieder, auch am ‚Stellvertreter Christi‘, dem Papst […], aber sie duldet keine Kritik an sich selbst, an ihren Lehrentscheidungen, ihrem traditionellen Ritus, ihren Moralprinzipien und ihrer hierarchischen Struktur. Die röm.-kath. Kirche fällt ihre Urteile auf der Basis ihrer Vollkommenheit als Kirche, aber diese Basis selbst wird nicht unter das Urteil gestellt“ (III 197).
Dieser Absolutheitsanspruch ist ein Resultat der Gleichsetzung von Geistgemeinschaft und Kirche (III 274). Für Tillich ist aber diese Identifikation letztlich eine schon dämonische Züge tragende Verkennung der Tatsache, dass auch Kirche und Religion unter den Bedingungen der →Existenz deren Zweideutigkeiten unterworfen sind.
Neben der Kritik am Absolutheitsanspruch gibt es eine weitere Kritik an der röm.-kath. Kirche: Diese verstoße gegen das protestantische Prinzip, wenn sie eine Synthese von Selbst-Erlösung und Erlösung durch →Gott predigt (II 94).
Dem protestantischen Prinzip muss notwendig die katholische Substanz, die „konkrete Verkörperung der Gegenwart des göttlichen Geistes“ (III 281) an die Seite treten. Dabei ist die kath. Substanz ebenso wenig ausschließlich auf den Bereich der röm.-kath. K. beschränkt, wie das protestantische Prinzip nur in den protestantischen Kirchen der Reformation wirksam ist. CP

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