Jesus als der Christus

Der Name „Jesus Christus“ muss verstanden werden als: „Jesus, der der Christus ist“. Jesus als der Christus ist sowohl ein historisches Faktum (Jesus von Nazareth) als auch der Gegenstand gläubiger Aufnahme (Christus). Beides ist von gleich großer Bedeutung für die Theologie (II 108). Die Berichte über Jesus von Nazareth handeln von Jesus als dem Christus, sie sind von Menschen aufgezeichnet, die ihn als den Christus aufgenommen haben (II 113). Das Christentum begründet sich darauf, dass Menschen, die in keiner Weise an der Biographie des Messias interessiert waren, von dem messianischen Charakter Jesu Zeugnis ablegten (II 115). Es ist nicht die „Lehre Jesu“, die zur geschichtlichen Grundlage des christlichen →Glaubens erhoben wird, sondern die Entscheidung für →Gott, die nur aus einer neuen Wirklichkeit kommen kann, dem →Neuen Sein in Jesus als dem Christus (II 117).
Christus ist der, der das Neue Sein bringt (II 107). Die christliche Behauptung, dass das Neue Sein in Jesus als dem Christus erschienen ist, ist →paradox. Sie ist das einzige, das allumfassende Paradox des Christentums (II 100). Es besteht darin, dass in einem personhaften Leben das Bild wesenhaften Menschseins unter den Bedingungen der Existenz erschienen ist, ohne von ihnen überwältigt zu werden (II 104), d.h., obwohl Jesus als der Christus unter den Bedingungen von Raum und Zeit stand, war er vom Grunde seines Seins nicht →entfremdet (II 137).
Es ist sein Sein, das Jesus zum Christus macht, weil es die Qualität des Neuen Seins jenseits der Spaltung zwischen →essentiellem und existentiellem Sein hat. Daraus folgt, dass weder seine Worte noch seine Taten noch seine Leiden ihn zum Christus machen. Das alles sind Manifestationen des Neuen Seins, das sein Sein ist, aber dieses geht allen Manifestationen voraus und transzendiert sie (II 132).
In Christus ist die wesenhafte Gott-Mensch-Einheit unter den Bedingungen der Existenz erschienen (II 182). In der Periode zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Christi (→Parusie) ist das Neue Sein nur in ihm gegenwärtig. Diejenigen, die an ihm teilhaben, haben am Neuen Sein teil, wenn auch unter den Bedingungen der existentiellen Situation und daher nur fragmentarisch und in Erwartung (II 130). AN

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