Glaube

Kaum ein Wort der religiösen Sprache bedarf so einer semantischen Reinigung wie das Wort G. […] G. muss sowohl formal wie material definiert werden“ (III 155).
Formal: G. ist der Zustand des Ergriffenseins durch das, worauf sich die Selbst-Transzendierung richtet: das Unbedingte in →Sein und Sinn. Material: G. ist der Zustand des Ergriffenseins durch das →Neue Sein, wie es in →Jesus als dem Christus erschienen ist (III 155).
G. darf nicht mit der intellektuellen Zustimmung zu Aussagen, die sich im Bereich der Subjekt-Objekt-Struktur auf die Wirklichkeit beziehen, oder mit Gefühlen verwechselt werden. Im G. geht es um eine Art von Erkenntnis, die qualitativ verschieden ist von der Erkenntnis, die zur technisch wissenschaftlichen Arbeit des Theologen gehört. Solche Erkenntnis ist ihrem Wesen nach existentiell (III 66). Niemand kann von sich selber sagen, dass er in der Glaubenssituation steht, vielmehr kann konstatiert werden: „Jeder Theologe ist sowohl ergriffen als auch entfremdet, er steht immer im Glauben und im Zweifel, er befindet sich innerhalb und außerhalb des theologischen Zirkels“ (I 17f.).
Der →Zweifel an Wahrheit und →Sein, der das →Schicksal alles Endlichen ist, ist im G. an die göttliche Allwissenheit aufgehoben (I 321). G. an die Vorsehung ist →paradox und zugleich eine Antwort auf die Frage nach der Theodizee, wobei nach Tillich kein Mensch außerhalb der Glaubenskorrelation ein Urteil darüber abgeben kann, ob andere Personen von der Liebe Gottes ergriffen sind oder nicht (I 309).
Die Geistgemeinschaften sind nicht das →Reich Gottes in letzter Vollendung, aber sie bilden latent oder manifest die Gemeinschaft des Neuen Seins; dabei ist die Geistgemeinschaft die Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe. Es ist der Glaube, der die „Kluft zwischen dem Unendlichen und dem Endlichen schließt, wenn auch immer nur fragmentarisch als teilweise Vorwegnahme der transzendenten Einheit unzweideutigen Lebens. Selbst unzweideutig, ist dieser Glaube der Geistgemeinschaft das Kriterium für den Glauben der Kirche, indem er ihre Zweideutigkeiten überwindet“ (III 183). CA

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