Geschichte

In der christlichen Botschaft ist Geschichte theologisch und →Theologie geschichtlich, wobei eine Teilung in historische und konstruktive Wissensgebiete nicht zu umgehen ist (I 38).
G. ist auch ein Medium der →Offenbarung: „Geschichtliche Offenbarung ist nicht Offenbarung in der Geschichte, sondern durch die Geschichte. […] Aber die Geschichte hat nur dann Offenbarungsqualität, wenn ein besonderes Ereignis oder eine Abfolge von Ereignissen in ekstatischer Weise als Wunder erfahren werde (I 145).
Im Rahmen seiner Beschreibung von Endlichkeit und →Entfremdung hält Tillich zunächst fest, dass im Zustand der Entfremdung – wenn die Einheit mit dem Ewigen zerrissen ist – die Unsicherheit so absolut wird, dass sie zur Verzweiflung treibt und Strukturen der Destruktion in der Geschichte erscheinen (II 83). Da die Erlösung die für das →Neue Sein heilende und rettende Macht in der Geschichte ist, nehmen im gewissen Grade alle Menschen an dieser Erlösung durch das Neue Sein als heilende und rettende Macht in der G. teil (II 180).
G. ist etwas Subjektives. Gruppen oder auch überstaatliche Gebilde können Träger der G. sein, sofern sie die Fähigkeit haben, zentriert zu handeln (III 353). Sowohl die geschichtliche Substanz als auch die geschichtliche Kausalität ist auf die Zukunft ausgerichtet auf das Reich Gottes (III 371ff.).
Wichtig im Verhältnis von G. und Reich Gottes sind ferner die Kairos-Erlebnisse, die Teil der Geschichte in den Kirchen sind, wobei der große Kairos, das Erscheinen der Mitte der G. in relativen Kairoi, in denen sich das Reich Gottes in einem spezifischen Durchbruch manifestiert, immer wieder neu erlebt wird (III 421). Schließlich konstatiert Tillich: Das immer gegenwärtige Ende und Ziel der Geschichte erhebt den positiven Teil der Geschichte in die Ewigkeit, während er zugleich das Negative von der Teilnahme an ihr ausschließt. […] Das →Ewige Leben umfasst also den positiven Gehalt der Geschichte, von seinen negativen Verzerrungen befreit und in seinen Potentialitäten erfüllt“ (III 450). CA