Geist

Der göttliche G., durch den die →Offenbarung erfolgt, ist immer der G. von →Jesus als dem Christus (I 171f.). Der G. ist die Macht der Beseelung selbst und nicht ein Teil, der dem anorganischen System hinzugefügt wird (III 32). Das →Leben in der Welt der Ideen kann nicht „geistige Welt“ genannt werden (III 33f.). Innerhalb der →Dimensionen des Lebens umfasst der G. mehr als die →Vernunft. Er umfasst eros, Leidenschaft und Gefühl, aber ohne Vernunftstruktur wäre er nicht fähig, irgendetwas zu schaffen (III 35). Nur der göttliche G. schafft unzweideutiges Leben. Alles Endliche wird durch die Beziehung zum Göttlichen bestimmt, d.h., dass der menschliche G. von etwas Letztem und Unbedingtem ergriffen wird, wobei der göttliche G. sich in der Erlösungs- und der Offenbarungserscheinung ekstatisch äußert d.h. „er treibt den menschlichen G. über sich hinaus, ohne seine essentielle, d.h. rationale Struktur, […] zu zerstören“ (III 135). „Wort“ und „Sakrament“ bezeichnen die beiden Weisen, in denen sich der göttliche G. den Menschen mitteilt (III 145). Zur Erfahrung des göttlichen G.es gehört ein sakramentales Element – so verborgen es auch sein mag. Da ein sakramentales →Symbol an der Macht dessen, was es symbolisiert, teilnimmt, kann es zum Mittler des göttlichen G.es werden. „Glaubensgehorsam“ meint, sich offen zu halten für den göttlichen G. und nicht eine heteronome Unterwerfung unter eine göttliche oder menschliche Autorität. Die Gegenwart des göttlichen G.es als Liebe: Die Liebe ist der Zustand des Hineingenommenseins in die transzendentale Einheit unzweideutigen Lebens durch den göttlichen G.; Agape ist unzweideutige Liebe, die der menschliche G. nicht herbeiführen kann (III 160).
Der göttliche G. kommt in den geschichtlichen „Kairoi“ zum Ausdruck, wobei er nur in Jesus als dem Christus ohne Verzerrung gegenwärtig war (III 171). Auf die Frage, wie personhafte Selbstbestimmung möglich ist, wenn das bestimmende Subjekt es ebenso nötig hat, bestimmt zu werden, wie das bestimmende Objekt, antwortet Tillich: „Die Lösung liegt darin, daß das bestimmende Subjekt durch das, was Subjekt und Objekt transzendiert, bestimmt wird – durch die Gegenwart des göttlichen G.es“ (III 244).
Der göttliche G. ist immer dann gegenwärtig, wenn die Subjekt-Objekt-Spaltung überwunden wird. Er lässt in Beziehung von Mensch zu Mensch das Subjekt nie bloßes Subjekt sein und das Objekt nie bloßes Objekt bleiben (III 245).
Die Geistgemeinschaft ist die geistige Essenz der →Kirche (III 250). Darum muss der einzelne Christ sich bewusst werden, „daß seine geistige Essenz als Glied der Kirche das →Neue Sein ist und daß Gott ihn als solches sieht“ (III 250). Der Beginn oder das Ende an der Teilhabe an der Geistgemeinschaft kann nicht an einem Augenblick des Lebens eines Menschen festgemacht werden (III 252). Darüber hinaus ist der göttliche G. frei und in seiner Manifestation nicht an die Kirche gebunden. Der göttliche G. ergreift den menschlichen G., aber er ergreift das Psychische und das Physische im Menschen nur indirekt und in begrenzter Weise (III 317).
Die heilende Kraft des göttlichen G.es kann nicht die Methoden des Heilens ersetzen. Vielmehr hat ein →Gebet im →Glauben etwas zu tun mit dem Ergriffensein vom göttlichen Geist.
„Die Gegenwart des göttlichen Geistes ist die Gegenwart Gottes in einer bestimmten Weise: Es ist nicht die Gegenwart Gottes, wie sie im Symbol der Schöpfung oder im Symbol der Erlösung ausgedrückt wird, obwohl Gegenwart des göttlichen Geistes beide voraussetzt und vollendet. Gegenwart des göttlichen Geistes heißt: Gott im Geist des Menschen ekstatisch gegenwärtig (und implizit in allem, was die Dimension des Geistes konstituiert)“ (III 324). CA